Vogtlandkreis aktuell
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Kirchen, Burgen und Schlösser
Der heutige Vogtlandkreis ist bekanntlich
nur ein Teil des historischen Vogtlandes, welches sich zwischen dem Erzgebirge,
dem Fichtelgebirge und dem Franken- und Thüringer Wald erstreckte. Er liegt im
Südwesten des Freistaates Sachsen.
Das Land, welches den Namen seiner ehemaligen Ritter trägt, die im 12. Jh. durch Kaiser Friedrich Barbarossa zur Besiedlung der Gaue Gera, Dobna und der Gegend um Weida ins Land kamen, heißt seit dem 14. Jh. "terra advocatorum"- Land der Vögte. Eng mit der mittelalterlichen Geschichte unserer Heimat sind die Grafen von Everstein, von Orlamünd, von Arnshaugk, die Herren von Lobdeburg, von Straßberg und natürlich von Weida verbunden. Diese Adligen gründeten die ersten Dörfer und Städte, schufen die ersten Burgen und ließen Kirchen erbauen im Raum zwischen dem Pleißen- und Egerland. Seit 1209 treten die Herren von Weida in Urkunden als Vögte auf. Während der Mitte des 13. Jh. teilen sie sich in die Linien Weida, Gera und Plauen. So gehören die Burgen in diesen vögtischen Städten zu den ältesten Anlagen.
Der Gau Dobna umfasste das Gebiet der späteren Herrschaft Plauen und Voigtsberg. Dieses Areal wurde 1122 zum ersten Mal urkundlich als "pagus Dobna" genannt. Das Jahr 1122 nennt neben der Johanniskirche, den "vicus plawe" (Ort Plauen) auch den Geistlichen Thomas, vier "smurden" (abhängige slawische Bauern) und den Zehnten, der im Gebiet des Dobnagaues an die Kirche gegeben wurde. Der mit seinen Grenzen genannte Gau gehörte zum Bistum Naumburg/Zeitz. Angrenzende Gebiete im Süden Richtung Egerland unterstanden dem Bistum Regensburg. Die Gebiete im Südwesten folgten dem Verlauf der Bistumsgrenze von Bamberg. Die Veitskirche in Wünschendorf, die Johanniskirche in Plauen, die Wehr- und Wallfahrtskirchen am Burgstein und weitere städtische und dörfliche Sakralbauten entstanden im Hochmittelalter. Seit dem Jahr 1224 ist der Deutsche Orden im Vogtland urkundlich überliefert. So gehen verschiedene Kirchengründungen auf die Ordensritter zurück z. B. in Adorf, Tanna, Reichenbach und Asch. Auch die Kirchen in Theuma, Thossen, Untertriebel, Eichigt, Schwand, Oelsnitz und Weida, um nur einige zu nennen, sind seit dem 13. Jh. nachweisbar.
Die Vögte von Plauen übernahmen die Herrschaft Plauen von den Grafen von Everstein, deren erste Burg vermutlich im Bereich des heutigen Malzhauses lag. Die Plauener Vögte errichteten sich auf dem Schloßberg in Plauen eine größere Burganlage und auch die Burgruine Dobenau reiht sich ein in die Liste der frühen Burganlagen im heutigen Stadtgebiet von Plauen. Am Ende des 12. Jh. entstanden Burgen in Wiedersberg, Schöneck und die sogenannte "Schwedenschanze" bei Weischlitz. Auch in Schöneck stand auf dem "Alten Söll" ein runder Berfried, wie uns die Federzeichnung von W. Dillich verrät. Im Herrschaftsgebiet des Plauener Vogtes lagen auch die Burgen von Liebau, Gansgrün, Schöneck, Planschwitz, Burgruine Stein, Türbel und Gattendorf. Dieses Gebiet nehmen sie 1327 mit dem Schloß Voigtsberg als Lehn vom König von Böhmen. Das "castrum nostrum Voytsperch", wie es in der Urkundensprache hieß, legten die Vögte von Straßberg um 1240 an und schufen sich eine mittelalterliche Befestigung über dem Hainbachtal bei Oelsnitz. Der heute noch erhaltene Bergfried gehört sicher in die frühe Bauphase der Burg. Der Stammsitz der Herren von Straßberg lag im gleichnamigen Dorf bei Plauen. Die dort befindliche Burganlage, worauf sich heute die Straßberger Kirche erhebt, wurde bereits 1280 als verwüstet bezeichnet. Neben diesen Adligen schufen sich die Reichsministerialen von Mylau ihre dortige Burg über dem Flusslauf der Göltzsch. Die Edelfreien Herren von Lobdeburg errichteten sich in Elsterberg eine Befestigung und bauten sich ihre Burg über den Flusslauf der Weißen Elster.
Auch im südlichen Vogtland fand der frühe Landesausbau statt. Die Wasserburg in Bad Brambach als Sitz der Herren aus dem Egerland. Vermutlich auch die Anlage "Altes Haus" bei Adorf und weitere dörfliche Anlage im ehemaligen nördlichen Egerland sind im 13./14. Jh. entstanden. So gehörte die Gipfelburg auf dem Kapellenberg 1261 den Vögten von Weida und Plauen. Die mittelalterliche Wasserburg im Ort Schönberg geht auf das siedelführende Geschlecht von Haslau zurück. Die Wasserburg "Reichsverweser" im heutigen Gondelteich von Bad Elster wird mit den Herrn von Neuberg, später Zedtwitz in Verbindung gebracht. Der niedere Adel schuf sich in vielen vogtländischen Orten dörfliche Wasserburgen, die späterhin auch als Vorwerk und Rittergut genutzt wurden. Es zieht sich ein dichtes Netz von Burgen über die Orte Adorf, Gassenreuth, Weischlitz, Kemnitz, Kauschwitz, Kürbitz bis nach Pausa, Linda, Ebersgrün abgerundet mit Grün, Plohn und Rodewisch - Göltzsch bis ins östliche Vogtland. Der sogenannte Vogtländische Krieg (1354-57) gegen die Vögte von Plauen aus dem Hause Greiz wegen der Städte Auma, Triptis und Ziegenrück wurde von den Landgrafen von Thüringen geführt. Durch die militärischen Auseinandersetzungen wurde u. a. die Burg Elsterberg durch thüringische Städte zerstört. Im Ergebnis des Krieges gelangte die Wasserburg Sachsgrün unter wettinische Herrschaft. Im Jahre 1372 finden wir die Burgen und Städte Voigtsberg, Oelsnitz, Mühltroff, Wiedersberg, Adorf, Brambach, Liebau und Pausa im Besitz der Markgrafen von Meißen. Im Gegenzug erhielt der böhmische König die Schlösser und Städte Mylau, Reichenbach, Schöneck, Gattendorf, Sparenberg, Karlswalde, Reitzenstein und Blanckenburg. Die Herren von Plauen wurden mit Haus und Stadt Plauen, Gansgrün und Türbel belehnt, die Reußen von Plauen mit dem Stein/Posterstein und mit Treuen ebenfalls als Lehen von den Markgrafen.
Damit sind die urkundlich und bauhistorisch gut überlieferten Burganlagen im sächsischen Vogtland umrissen. Anlagen in vogtländischen Dörfern und Städten, wie Auerbach, Falkenstein, Werda, Gassenreuth, Kloschwitz, Rodersdorf, Reuth, Neumark, Limbach, Hauptmannsgrün u. a. runden das vogtländische Burgenbild ab und sprechen von der Vielfalt und einer Vielzahl kleinerer Anlagen.
Insgesamt verfügt das sächsische Vogtland, das ja heute im Vogtlandkreis aufgeht, über 105 mittelalterliche Burganlagen. Viele von ihnen erinnern nur durch ihren Namen an einen Wall, Burg oder Schloss. Einige sind als Ruinen erhalten. Nur wenige werden als Wohnbau oder Museum genutzt. Die Erhaltung dieser mittelalterlichen Zeugen als Boden- und Baudenkmal wird durch das Landesamt für Archäologie und Landesdenkmalamt in Dresden und natürlich auch durch das Vogtlandmuseum Plauen unterstützt.
Text: Dr. Gabriele Buchner,
Vogtlandmuseum Plauen
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