

Das
Vogtland
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Vogtlandkreis aktuell
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Der Vogtlandkreis als Brückenland
Mehrere Großbrücken symbolisieren im sächsischen
Vogtland seine traditionelle Rolle als Durchgangsgebiet in der Hauptrelation
Nordost-Südwest, die aus der hier vorhandenen Einsattelung in der deutschen
Mittelgebirgsschwelle resultiert. Im Vergleich zum westlich gelegenen Thüringer
Wald und dem östlich angrenzenden Erzgebirge konnte der Verkehr von der
Norddeutschen Tiefebene ins Main- und Egertal die Pässe in relativ geringer
Ebene überqueren. Schon im Mittelalter führte die berühmte "Reichsstraße" von
den Hansestädten an der Küste über die Messestadt Leipzig durch Reichenbach und
Plauen nach Franken und weiter "ins Reich" bis nach Italien. Davon zeugen noch
heute in Reichenbach wie in Leipzig gleichnamige Straßen und die bereits 1244
als Steinbrücke genannte Alte Elsterbrücke in Plauen. In Zwickau stieß zu ihr
die nördlich des Erzgebirges verlaufende Straße aus Polen und Schlesien. Auch
nach 1800 nahm der Handel mit Süddeutschland, Norditalien und der Schweiz noch
diesen Weg.
Als die Eisenbahn um 1850 die Reichstraße zu ersetzen begann, war sie noch in besonderem Maße an geringe Steigungen gebunden. Hohe Ansprüche an die Trassierung stellten über 80 Jahre später auch die Schnell- und Fernstraßen des neuen entwicklungsbestimmenden Verkehrsmittels Kraftfahrzeug. Tief eingeschnittene Täler der beiden wichtigsten Flüsse Weiße Elster und Göltzsch bildeten aber nicht zu umgehende Hindernisse. Schienenweg und Autobahn haben daher im Vogtland zu ungewöhnlich großen Talüberquerungen geführt, durch die man das Gebiet als Brückenland bezeichnen kann.
Für die Eisenbahnverbindung zwischen den Handels- und Gewerbezentren Leipzig und Nürnberg mussten über beide Täler sogar von 1846 bis 1851 die damals höchsten Eisenbahnbrücken der Welt geschaffen werden. Für beide Viadukte geplante Ausführungen als Vieretagenbau mit relativ kleinen Spannweiten resultierte aus dem Bestreben, die fast beispiellose Bauaufgabe mit maximaler Sicherheit zu meistern. Baugrundprobleme erzwangen jedoch bei der Göltzschtalbrücke im Mittelteil und bei der Elstertalbrücke insgesamt eine kühnere Lösung mit erheblichem ästhetischen Gewinn. Den Hauptverdienst daran besitzen Prof. Andreas Schubert (geb. 1808 im vogtländischen Wernesgrün, gest. 1870) von der Technischen Bildungsanstalt (heute TU) Dresden und Oberbauleiter Robert Wilke (1804-1889). Der wichtigste Baustoff war Backstein, wodurch die Gölztschtalbrücke zum weltgrößten Ziegelviadukt geworden ist.
Die Brücken wurden zum Bestandteil einer der wichtigsten Nord-Süd-Routen, auf der nach 1900 über 200 Züge in 24 Stunden fuhren. Trotz ihres hohen Alters sind sie nach wie vor unentbehrliche Verkehrsbauten. Durch den Ausbau und die Modernisierung der Sachsenmagistrale Dresden- Plauen-Hof rollen über sie seit Juni 2001 neue ICE-Züge mit Neigetechnik. Bereits während des Bauens wurden die Brücken zu touristischen Attraktionen und haben in dieser Hinsicht seit dem Verschwinden des "eisernen Vorhangs" noch gewonnen.
Eine ähnlich anspruchsvolle Aufgabe war seit 1935 der Bau der Autobahn Chemnitz-Zwickau- Plauen- Hof (A 72). Sie sollte zwischen den Grundnetzstrecken Dresden-Chemnitz-Frankfurt (A 4) und Berlin-Nürnberg (A 9) eine Eckverbindung durch das siedlungs- und industriereiche Südwestsachsen schaffen. Neben zahlreichen kleineren Brücken musste über das Göltzschtal bei Weißensand 1937 - 1939 ein 36 m hoher Viadukt errichtet werden. Und zur Überwindung des Elstertales bei Pirk nahe Oelsnitz unweit der bayerischen Grenze war sogar ein monumentales Bauwerk erforderlich, das als weltgrößte Steinbogenbrücke galt. Im Interesse einer guten Einbindung in die Landschaft wurden bei beiden Objekten die Gewölbe und die Ansichtsflächen der Pfeiler aus Granitquadern hergestellt, diese aber innen mit unbewehrtem Beton ausgestampft.
Als diese Arbeiten an der Pirker Brücke 1940 abgeschlossen waren, führten der Zweite Weltkrieg und die durch ihn entstandene innerdeutsche Grenze zur Einstellung des Baues für 50 Jahre. Nach dem Verschwinden des "eisernen Vorhangs" wurde der zum Teilungssymbol gewordene Torso mit bayerischer Hilfe 1991 - 1993 vollendet. Entsprechend dem gestiegenen Verkehrsaufkommen erhielt der Viadukt wie die Weißensander Brücke durch Betonüberbauten einen größeren Querschnitt (29,5 m) mit 4 Fahr- und 2 Standspuren. Das Bauwerk verkörpert nunmehr direkt und indirekt den Brückenschlag der Wiedervereinigung. Die als Vogtlandautobahn geltende A 72 wurde erst nach der Wende auch in anderen Teilen vollendet und insgesamt ausgebaut. Sie besitzt eine wichtige Funktion im Verkehr zwischen Sachsen und Bayern und darüber hinaus im nationalen und internationalen Maßstab.
Die Göltzschtalbrücke
08491 Netzschkau / 08499 Mylau
- Erbaut: 1846 - 1851 / maximal 1736 Arbeiter
- Höhe: 78 Meter
- Länge: 574 Meter
- Maximale Spannweite: 30,9
Meter
- Vier Etagen
- 26 Millionen Ziegel (53 % des
Mauerwerkes)
- Sichtmöglichkeit durch
Gasfesselballon aus 150 Meter
- Ausstellung zur Brückengeschichte in Ketzels Mühle an der Brücke und im Museum Burg Mylau
Information: Fremdenverkehrsverein "Nördliches Vogtland" e. V.,
08499 Mylau
Telefon: 0 37 65 / 39 28 08
Die Elstertalbrücke
08543 Jocketa, Ortsteil von Pöhl / 08547 Jößnitz, Ortsteil der Stadt Plauen
- Erbaut: 1846 - 1851 / maximal
899 Mitarbeiter
- Höhe: 68 Meter
- Länge: 279 Meter
- Maximale Spannweite: 31,15
Meter
- zwei Etagen
- 12,3 Millionen Ziegel (52 %
des Mauerwerkes
- 1945 bei Einmarsch der US-Truppen ein Gruppenpfeiler und benachbarte Bogen gesprengt (77 Meter Lücke). Nach Einbau der Notbrücke 1946 bis 1950 erneuert
- Lage in Vogtländischer Schweiz und nahe der Talsperre Pöhl (großes Sommererholungsgebiet)>
Information:
Touristeninformation Talsperre Pöhl
Telefon : 03 74 39 / 45 00 oder 67 78,
Fax : 03 74 39 / 4 50 13
Autobahnbrücke bei Weißensand
08485 Weißensand, Ortsteil der Stadt Lengenfeld (Vogtl.)
- Erbaut: 1937 - 1939
- Umbau: 1992 - 1994
- Höhe: 36 Meter
- Länge: 427 Meter
- Maximale Spannweite: 45,2 Meter
- eine Etage, vier Pfeiler,
fünf Bogen
Information:
Stadt Lengenfeld, Sachgebiet Fremdenverkehr
Telefon: 03 76 06 / 3 05 12
Fax: 3 05 46
Autobahnbrücke bei Pirk
08538 Pirk, Ortsteil von Burgstein
- Erbaut: 1938 - 1940
- Bau vollendet: 1991 - 1993
- Höhe: 60 Meter
- Länge: 635 Meter
- Maximale Spannweite: 33,5 Meter
- eine Etage, elf Pfeiler,
zwölf Bogen
Information:
Tourismus- und Verkehrszentrale Vogtland,
08209 Auerbach
Telefon: 0 37 44 / 1 94 49
Text:Dr. Peter Beyer, Reichenbach
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