Nach einer Überlieferung erhielt ein vogtländischer Dorfschullehrer auf die Frage nach den 3 höchsten Festen des Jahres die einhellige Antwort:"Weihnachten, es Sauschlachten und de Kirmes"!
Für die Landbevölkerung standen diese Feste im engen Zusammenhang. Fand die Kirmes meist nach der Ernte statt, so sorgte das vorweihnachtliche Schlachten für Wintervorräte und eine nahrhafte Weihnachtszeit. Sie nahm mit dem 30. November, dem "Andreasabend" ihren eigentlichen Anfang. Der Glaube, die ungewisse Zukunft des Winters und des kommenden Jahres erforschen zu können, führte an diesem Abend zu gemeinschaftlichen Bräuchen wie dem Pantoffelwerfen oder dem "Horchengehen" an der Stalltür.
Für die Kinder erschienen in der Vorweihnachtszeit als vogtländische Gabenbringer das hier "Bornkinnel" genannte Christkind und als Begleiter der gefürchtete und strafende "Rupperich", der in vergangenen Jahrhunderten seine Verwandtschaft mit dem "Bösen" nicht verleugnete.
Die enge Nachbarschaft zu dem von bergmännischen Traditionen geprägten Erzgebirge ließen seit dem 19. Jahrhundert auch im Vogtland Pyramiden, Krippen und "Paradiesgärten" heimisch werden. Bergmann und Engel schmückten seitdem auch die vogtländischen Weihnachtsstuben. Zu ihnen gesellte sich als eine besondere vogtländische Weihnachtsfigur der "Moosmann" als gebastelter, später auch geschnitzter Lichterträger.
Die Moosleute waren ursprünglich Sagengestalten in den vogtländischen Waldgebieten. Im Winter Not leidend, waren sie für Hilfe der Menschen dankbar und beschenkten diese reich mit wunderwirkenden Dingen. Das immergrüne Moos war den Menschen, ähnlich dem später üblich gewordenen Weihnachsbaum, ein Symbol für das Fortleben der Natur in der strengen Winterzeit.
Horst Fröhlich